Verbreitung

Das Vorkommen der Beutelmeise R. p. pendulinus und die Änderung des Verbreitungsgebiets ist das Hauptuntersuchungsobjekt dieser Arbeit. Es soll nun ein kurzer Abriss des bereits vorhandenen Wissens erfolgen.



Vergangenheit

Im europäischen Raum gab und gibt es mehrere Arealkerne, die dauerhaft von Beutelmeisen besiedelt sind und von denen vermutlich die Wiederbesiedlung nach den Eiszeiten ausging. Zu ihnen gehören Gebiete in Südfrankreich, Spanien und Oberitalien - an der nördlichen Küste des westlichen Mittelmeeres (KINZELBACH 2002).

TITIUS (1755 u. 1757) nennt als Siedlungsgebiete das Einzugsgebiet des Dnepr mit den Flüssen Pripjet, Ptic, Sluzk und Styr, des Weiteren die Landschaften Polesien (heute in Weißrussland) und Wolynien (heute in der Ukraine), sowie Böhmen und Oberungarn. Das Gebiet der Donau-Mündung und ein Teil des Flusslaufs werden ebenfalls als angestammtes Siedlungsgebiet angegeben.

Nördlich dieser Arealkerne und westlich des von TITIUS genannten Gebietes fand die Arealerweiterung statt, die in dieser Arbeit untersucht werden soll. Im Folgenden werde ich mich größtenteils auf dieses Gebiet nördlich des 47. Breiten- und westlich des 20. östlichen Längengrads beziehen.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gibt es nur wenige klare Hinweise auf die Grenzen des Verbreitungsgebiets der Beutelmeise. Fehlende Meldungen und wenig kulturhistorische Hinweise auf Beutelmeisen (KINZELBACH 2002) lassen vermuten, dass die Beutelmeise nördlich der Alpen und westlich der Oder-Neiße-Linie relativ selten war.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich die Angaben im deutsch-polnischen Raum. Es konnten deutliche Ausbreitungsversuche gen Westen beobachtet werden. Im deutschen Gebiet waren die Sichtungen bis 1950 größtenteils auf die Donau und ihre Nebenflüsse beschränkt.



Gegenwart

Abgesehen von gewissen Schwankungen in der Besiedlungsdichte in einzelnen Brutgebieten kann man das Gebiet östlich der Elbe als gut besiedelt bezeichnen (DOBROWOLSKI & NOWAK 1965, SCHÖNFELD 1994). Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen weisen seit 1960 stabile Populationen auf, und auch an Donau, Main, Rhein und ihren Nebenflüssen hat sich die Besiedlung gefestigt (FLADE et al. 1986, GEBHARDT & SUNKEL 1954, GLUTZ V. BLOTZHEIM & BAUER 1993, KLAFS & STÜBS (Hrsg.) 1987, KNORRE et al. (Hrsg.) 1986, RUTSCHKE (Hrsg.) 1987, HÖLZINGER 1997, STEFFENS et al. (Hrsg) 1998, WÜST 1986, SCHÖNFELD 1994).

Vereinzelte Sichtungen und Ansiedlungsversuche gibt es bereits im Saarland (1973 bis 1989: 17 Sichtungen), im Kerngebiet Frankreichs (seit 1960 Angaben für drei Departements) und auf den Britischen Inseln (1980 bis 1987: 14 Sichtungen) (ROTH et al. 1990, ISENMANN 1987, SCHÖNFELD 1994, DYMOND et al. 1989).

In Spanien ging von der Mittelmeerküste eine Besiedlung des Binnenlandes aus - entlang der Flüsse Ebro, Tajo, Duero und Guadiana. 1982 erreichte die Beutelmeise das Gebiet von Portugal (VALERA et al. 1990).

Auch in Richtung Norden konnte sich die Beutelmeise erfolgreich ausbreiten. So gibt es in Schweden und Dänemark bereits regelmäßig besuchte Brutplätze. Aus Norwegen wurde 1990 die erste Sichtung gemeldet (SCHÖNFELD 1994).