Kartographische Auswertung

Das entwickelte Programm macht es möglich, die in der Datenbank gespeicherten Informationen in einer Karte automatisch abzubilden. Abbildung 29 im Anhang zeigt eine solche automatisch generierte Karte. Sie fasst die Meldungen von 1800 bis 2000 zusammen.
Erstellt man stattdessen eine Reihe von 20 Karten, die beispielsweise jeweils nur aufeinander folgende zehn Jahre zusammenfassen, erhält man einen Einblick in den Ausbreitungsprozess, der stattgefunden hat. Die zeitliche Auflösung kann dabei bis auf ein Jahr genau gesetzt werden. Die CD-Rom im Anhang enthält im Verzeichnis "Ergebnisse" eine solche Zeitreihe aus neun Sichtungskarten für Mitteleuropa von 1800 bis 2000. Bei der visuellen Auswertung dieser Zeitreihe lassen sich wahrscheinliche Ausbreitungswege zwischen 1800 und 2000 erkennen (Abbildung 18).

Ausbreitungswege zwischen 1800 und 2000
Abbildung 18: Vermutliche Ausbreitungswege von R. pendulinus zwischen 1800 und 2000. Rote Flächen kennzeichnen Arealkerne nach KINZELBACH (2002).


Die Vorliebe der Beutelmeise an Gewässern zu brüten (HÖLZINGER 1997) lässt die Vermutung zu, dass auch die Ausbreitung vorzugsweise entlang von Gewässern erfolgt. Aus diesem Grund wurden die Expansionswege entlang von Flüssen und Seenplatten eingezeichnet. Die Jahreszahlen kennzeichnen den Beginn einer relativ regelmäßigen und flächendeckenden Besiedlung.
Die Karte stellt eine Verallgemeinerung und Interpolation der erfassten Informationen dar. Die zu geringe Datendichte für den Zeitraum von 1800 bis 1900 lässt kaum Schlüsse auf das Expansionsverhalten zu.



Statistische Auswertung

Die Umwandlung der bekannten Verbreitungsdaten in digitale Informationen erlaubt erstmals eine mathematische Auswertung. Dazu wurden die benötigten Daten aus der Datenbank exportiert und prozessiert.
Abbildung 21 zeigt eine Mittelung der geographischen Längen der Meldungen ab 1930. Die dunkelblaue Linie kennzeichnet den Mittelwert aller, die hellblaue Linie den der 10 westlichsten Meldungen.

Abbildung 21: Ausbreitungsfront in Richtung Westen.


Bis 1955 verlaufen beide Linien gleich, da nur 10 Meldungen oder weniger pro Jahr zur Verfügung standen. Deutlich sind eine Spitze bei 1935 und eine "Stabilisierung" zwischen 1940 und 1950 zu erkennen.
Nach 1955 beginnt eine erneute Ausbreitung, die durch ausreichend Angaben eine klarere Aussage zulässt. Ab 1960 kann man von einer relativ stetigen Expansion gen Westen ausgehen.
Das Diagramm kann so interpretiert werden, dass unterhalb (also östlich) der dunkelblauen Linie eine regelmäßige und flächendeckende Besiedlung zu erwarten ist, während der Raum zwischen den beiden Linien die so genannte Verschleißzone markiert. Die Stagnation nach 1990 und der scheinbar folgende Einbruch sind wiederum auf noch nicht genau publizierte Sichtungen zurückzuführen.



Anhang

Abbildung 29: Beispiel einer generierten Karte. Zu sehen ist das Gebiet Deutschlands mit gesicherten Meldungen zur Verbreitung von Beutelmeisen zwischen 1800 und 2000. Die roten Punkte kennzeichnen Meldungen von vermutlichen oder gesicherten Brutvorkommen, grüne Punkte bezeichnen Sichtungen von vermutlich durchziehenden Tieren.